Mein Hund ist ein Angsthase – Teil 1

Hund hat Angst

Nicht jeder Hund lebt nach der Devise „Hoppla, jetzt komm’ ich!“ Es gibt auch viele eher schüchterne, sogar ängstliche Exemplare. Wichtig ist es, dem Hund dabei zu helfen, Ängste zu überwinden, schreibt Hundeerziehungsberater Holger Schüler. Ob vor dem Autofahren, dem Staubsauger oder dem Gebürstet werden.

Der Umgang mit Ängsten ist eine ständige Gratwanderung.

Auf der einen Seite muss man mit dem Angstauslöser arbeiten, auf der anderen Seite darf man den Hund nicht überfordern. Die goldene Regel lautet: Annäherung und Rückzug.

Ein Beispiel: Die Bürste. Kaum ein Hund findet gebürstet werden auf Anhieb toll. Wenn er nun zurückweicht, wird er einfach festgehalten und möglichst schnell (und dadurch oft unsanft) gebürstet. Hauptsache, man hat sein Ziel erreicht. Beim nächsten Mal verschwindet der Hund schon beim Anblick der Bürste unter dem Sofa.

Das Problem ist natürlich gar nicht die Bürste, sondern, dass der Hund keine Gelegenheit bekommen hat, sich mit der Situation auseinander zu setzen. Das gleiche ist der Fall, wenn der Hund Umweltängste zeigt: zu oft werden Hunde zu etwas gezwungen, statt lernen zu dürfen. Wenn die Angst erst einmal da ist, wird sie schnell immer stärker, das Verhalten problematischer und der Mensch beginnt, den Angstauslöser zu vermeiden. Dann ist erst recht kein Lernen mehr möglich.

Wie kommt man aus diesem Teufelskreis wieder raus?

Es ist eigentlich ganz einfach. Konfrontieren Sie den Hund mit seiner Angst – aber immer nur so weit, wie er es gerade noch aushält. Zum Beispiel die Bürste: Setzen Sie sich nur neben den Hund, mit der Bürste in der Hand.

Lassen Sie ihn die Bürste anschauen, ein Leckerlie von der Bürste nehmen, berühren Sie ihn nur mit der Bürstenrückseite und so weiter. Bevor der Hund zurückweicht, nehmen Sie die Bürste schon wieder weg. Sobald er sich entspannt, nähern sie sich wieder. Sie müssen lernen, den Hund zu lesen und zu erkennen, wann Sie seine Grenze erreichen.

Verschieben Sie diese Grenze nur ganz vorsichtig und lassen Sie dem Hund immer die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Ihr Hund muss wissen, dass er entscheiden darf, wieviel er aushält, und nicht gezwungen wird. Mit Geduld und Beharrlichkeit helfen Sie Ihrem Hund, seine Angst selbst zu überwinden. Das ist das Ziel – nicht der frisch gebürstete Hund!

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